Khao Lak feiert beste Tauchsaison seit einem Jahrzehnt

Eines ist gewiss: die Tauchsaison 2013/14 wird zukünftig einen besonderen Platz in den Annalen Khao Laks einnehmen. Neben weiterhin überdurchschnittlich schnell nachwachsenden Korallenbeständen, konnten Taucher diesen Winter wieder Walhaie, Mantarochen und andere Großfische auf den Similan Islands regelmäßig und in großer Zahl beobachten. Dies hat es so seit dem Tsunami nicht mehr gegeben.

So gut war das Tauchen 2013/2014 in Khao Lak

Bereits die ersten Liveaboard Touren mitte Oktober meldeten Sichtungen von Walhaien und Mantarochen an Tauchplätzen, die für diese Spezies relativ untypisch sind. Weiterhin konnte jedermann sofort sehen, dass sich die Korallen in der zurückliegenden Nebensaison außerordentlich gut erholt hatten – und auch ausgewachsene Thunfische, Makrelen und Barrakudas waren in hoher Anzahl fast überall auf den Tauchgründen der Similan Islands anzutreffen. Weiterhin wurden eine, im vgl. zur Vorsaison, erhöhte Anzahl Sichtungen von Riffhaien, Adlerrochen und anderen interessanten Spezies vorgenommen. Erwartungsgemäß gingen diese Sichtungen im laufe des Novembers bis mitte Januar zurück.

Manta Rochen Koh BonAb Ende Januar begann dann der totale Tauchwahnsinn mit regelmäßigen Sichtungen von oft mehreren Walhaien und Mantarochen pro Tauchgang, meist auf den dafür besser bekannteren Tauchplätzen Koh Bon, Koh Tachai und Richelieu Rock. Von Februar bis ende April dann konnte, bei Teilnahme einer normalen 4-Tägigen Tauchsafari zu den Similan Islands und diesen nördlichen Divesites, mit fast 100% Sicherheit die Sichtung mindestens einer dieser Giganten garantiert werden. Und als wäre dies alles nicht genug, tummelten sich zeitweise noch Delfine und Wale auf den Routen der Tauchschiffe.

Auch die etwas kleineren, aber nicht minder interessanten Unterwasserlebewesen, wie Harlekingarnele, Geisterpfeiffenfetzenfisch, Seepferdchen oder Anglerfisch wurden in hoher Anzahl und an vielen Tauchplätzen gefunden. Während der Saison, die immerhin sechs Monate lang ist, wurde vom Tauchpersonal, das sich täglich auf den Tauchplätzen aufhielt, einhellig bestätigt, dass sich das Korallenwachstum und die Fischbestände quasi vor ihren Augen radikal und mit hoher Geschwindigkeit verbessern.

Gründe für die ausserordentlich guten Tauchbedingungen

Hauptgrund für den guten Zustand der Tauchplätze rund um Khao Lak, da sind sich alle Experten einig, waren die niedrigen Wassertemperaturen zwischen August und Mai. Im Jahr 2010 hatte der Rückfluß des Klimaphänomens El Nino (auch genannt La Nina) monatelang extrem warmes Wasser (31° – 33°C) in die Andamanensee strömen lassen. Nun drei Jahre später sieht es so aus, als hätten die globalen Wasserströmungen einen kompletten Richtungswechsel hingelegt und die Andamanensee mit kühleren Strömungen um die 23°-27° versorgt. Woher die Strömungen kamen, und welche Gründe und Auswirkungen dies global hat, müssen Forscher und Wissenschaftler noch herausfinden und belegen, was natürlich seine Zeit dauern wird. Die lokalen Auswirkungen waren jedenfalls verbesserte Wachstumsbedingungen für Hart- und Weichkorallen sowie verbessertes Futterangebot für Großfische welche sich von Oktober bis Mai in diesen Gewässern regelmäßig zeigten.

Interview mit Ric Parker – Tauchbasenbetreiber & Liveaboard-Tourleader in Khao Lak

Khao Lak Guide: Ric, du arbeitest nun seit mehr als zehn Jahren hier und tauchst quasi täglich auf den Inseln vor Khao Lak. Ist es übertrieben, diese Saison als die Beste der letzten zehn Jahre zu bezeichnen?

Richard Parker: Betreffend der Megafauna (hauptsächl. Mantarochen und Walhaie) war es mit Sicherheit eine der besten Saisons der letzten zehn Jahre. Die hiesige Tauchindustrie war lebendig und die letzten Monate vom Walhai-Fieber befallen, welches sich zum Ende der Saison im April nochmal zum absoluten Höhepunkt steigerte. Aber bei all dieser Aufregung und den guten Nachrichten ist es auch leicht, sich von den wichtigen Tatsachen betreffend der Similan Islands ablenken zu lassen.

Sowohl Haifischpopulationen als auch viele Rochenbestände bleiben auf ihren Allzeit-Tiefstständen. Die Nationalparkbehörden haben noch immer kein Rezept gegen illegale Fischerei innerhalb der Grenzen des Marine Parks gefunden und die negativen Auswirkungen dessen waren enorm in den letzten zehn Jahren. Hinzu kommen noch die unkontrolliert steigenden Besucherzahlen, hauptsächlich Tagestouristen auf Speedbooten. Hierbei sehen wir wenige Bedenken bei den zuständigen Behörden und Tourunternehmen auch nur grundlegende Verhaltensregeln durchzusetzen. Es ist z. B. leider immer noch gängige Praxis der Speedbootkapitäne auf den Hauptschnorchelplätzen der Similan Inseln und Koh Tachai ihre Anker zu werfen, wo sich einst die besten Schnorchelriffe befanden. Die aktuelle Politik ermutigt die lokalen Nationalparkbehörden und Tourunternehmen, soviele Besucher wie möglich in die Nationalparks zu bringen, um die Einnahmen von Nationalparkgebühren zu erhöhen – dies ist natürlich auch nicht gerade hilfreich für ein empfindliches und geschwächtes Ökosystem – und daran wird sich leider auch in naher Zukunft kaum etwas ändern.

Ric ParkerRic Parker lebt seit 2004 in Thailand und arbeitet seither als Tourleader auf Tauchsafaris zu den Similan Inseln und das angrenzende Mergui Archipel in Myanmar. Seit 2011 betreibt er eine eigene Tauchbasis im Herzen von Khao Lak.
Neben dem Tauchen engagiert sich Ric in Natur- & Umweltschutz und hat eine Hilfsorganisation für die Seezigeuner (Moken) im Grenzgebiet zu Myanmar ins Leben gerufen.

Khao Lak Guide: Wie lange musst Du zurückdenken, um Dich an eine Saison zu erinnern, die mit dieser vergleichbar ist?

Ric Parker: 2006/2007 sticht da wirklich als eine der besten Saisons für Mantarochen auf Koh Bon heraus. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie wir damals regelmäßig bei Tauchbriefings über die Reling sahen und dort bereits mehrere Jungtiere an der Oberfläche beobachten konnten. Ich habe damals weit mehr Mantarochen Sichtungen geloggt als in der zurückliegenden Saison. Damals waren die Haipopulationen auch noch gesünder, daher hatten wir auch jede menge Leopardenhaie gesehen.

Khao Lak Guide: In 2010 hat dann die verheerende Korallenbleiche stattgefunden – was hat sich seither verbessert?

Ric Parker: Da sind natürlich zuvorderst die wirklich ermutigenden Anzeichen von rapide nachwachsenden Korallenbeständen. Dies gilt insbesonders für Tauchplätze, die dem offenen Meer zugewandt sind wie z.B West of Eden und Christmas Point – hier ist das Wachstum für jedermann mit blosem Auge festzustellen, was daran liegen mag, dass an diesen Orten die Meereströmungen für die richtige Wasserqualität sorgen. Die Tauchplätze an der geschützten Ostflanke der Similan Islands erholen sich natürlich auch, aber hier sind es mehr die Hartkorallen als Fächer- und Softkorallen welche sehr empfindlich sind.

Es gibt natürlich auch noch große Bereiche toter Korallen, vor allem in den flachen Buchten der geschützen Ostseite (also vor allem die Schnorchelplätze – Anm. d. Red.), aber überall wo wir rapides Korallenwachstum verzeichnen haben sich auch die Fischbestände zu einem gewissen Maß erholt, da dort noch nicht wieder gefischt wird.

Khao Lak Guide: Guter Punkt – wie hat sich denn nun die Fischereiindustrie in den zurückliegenden Monaten verhalten und welche Rolle hat dies bei den aktuellen Entwicklungen gespielt?

Ric Parker: Es ist sehr schwer hierzu Aussagen zu treffen, da in Thailand keine Fischfangquoten existieren – genauso wenig wie Daten darüber, wieviel einer Spezies an welchem Ort genau gefangen wurde – solch wichtige Daten und Regularien sind den Nationalen Behörden immer noch egal, obwohl es dabei um die Existenz ganzer Regionen geht. Aber im Vergleich zu vergangenen Saisonen gab es dieses Jahr spürbar weniger Gerüchte in der Tauchindustrie über Fischer, die Walhaien und Mantarochen nachstellen und über gefangene Leopardenhaie die an den Fischerpiers angelandet wurden. Einige der optimistischeren Umweltaktivisten wagen sogar zu behaupten, dass all die Anstrengungen der letzten Jahre hinsichtlich Aufklärung der lokalen Bevölkerung über das marine Ökosystem nun endlich Wirkung zeigen – ich selbst bin da etwas skeptisch, obwohl ich es mir wirklich wünschte. Generell würde ich sagen, daß die Fischereiindustrie sich nicht wirklich geändert hat und auch weiterhin illegal in den Nationalparks fischt – nur in letzter Zeit etwas verdeckter als früher, da die Fischer seit neuestem wegen illegalem Menschenhandel und Sklavenarbeit auf ihren Booten von Polizei und Militär unter Druck gerieten.

Khao Lak Guide: Ok, zurück zum Tauchen: Wir haben diese Saison immer noch Beschwerden, hauptsächlich von erfahrenen Tauchern, über die Similan Inseln erhalten. Viele dieser Taucher waren entweder in der Zeit von Dezember bis Januar hier oder haben Tagestrips auf die Similans gemacht – kannst Du uns dazu mehr erzählen?

Ric Parker: Viele Taucher kommen nach Khao Lak, weil sie von den “sagenhaften Similan Islands” gehört haben. Mit zwei Ausnahmen sind die besten Tauchplätze hier aber nicht in; sondern nördlich der Similan Inseln und zwar handelt es sich um die isolierten Plätze Koh Bon, Koh Tachai und Richelieu Rock die nicht zu den Similans gehören. Hier haben erfahrene Taucher die Chance auf ihre besten Erlebnisse unter Wasser in ganz Thailand. Diese Plätze sind es auch, die die generelle Reputation der ganzen Gegend definieren und zu selten wird darauf hingewiesen dass dies nicht die Similan Inseln sind. Oft finden sich erfahrene Taucher auf Tagestrips zu den Similan Inseln wieder, da es für die meisten Tagestouranbieter die einfachste, komfortabelste und lukrativste Option ist, dies anzubieten. Ich würde mir hier mehr individuelle Beratung der Tagestouranbieter wünschen. Es hat sich in den letzten zwei Jahren da auch schon viel verbessert – die Top-Plätze sind nun stark vetreten im Portfolio der meisten Tauchbasen. Bei der Kundschaft die diese Tauchplätze anfuhren ist die Beschwerdequote auch um einiges geringer.

Dezember ist auch immer noch sehr früh in der Tauchsaison hier, obwohl es durch Weihnachten und Neujahr im Gesamtbild zur absoluten Hauptreisezeit zählt. Die Fischbestände haben sich noch nicht vollständig von der illegalen Fischerei in der Regenzeit erholt, und die großen Zwei (Mantarochen und Walhaie) lassen sich im Dezember meist nur ganz selten blicken. Hinzu kommt noch, dass im Dezember öfter eine stramme Brise über die Andamanensee weht, was hohe Wellen und damit unkofortable Bedingungen, vor allem auf den kleinen Speedbooten, mit sich bringt. Also zur Hauptreisezeit, wenn die meisten Leute – dabei noch ein hoher Familienanteil wegen der Feiertage – hier sind, die auch noch zum Großteil nur an Tagesausflügen interessiert sind – herrschen hier leider oft nicht ganz optimale Bedingungen und, ganz ehrlich, eine hohe Chance auf enttäuschende Tauchgänge, vor allem auf den Similan Inseln selbst. Das Tauchen wird erst im Laufe des Januars so richtig gut. Ich weis, das sind nun schlechte Nachrichten für alle Weihnachtsurlauber (und es ist auch nicht jedes Jahr so), aber auf diese Fakten wird zu selten hingewiesen und dann gibt es natürlich enttäuschte Erwartungen.

Khao Lak Guide: Was kann man Deiner Meinung nach von der nächsten Tauchsaison 2014/15 erwarten?

Ric Parker: Es wird sicherlich erhöhte Aufmerksamkeit geben, vor allem nachdem die globale Taucherszene die guten Nachrichten aus dieser Saison verdaut hat. Es wird natürlich auch helfen, die seit 2010 schwer angeschlagene Reputation der Similan Islands zumindest etwas wiederherzustellen. Ob die Similan Inseln dann nächsten Winter wieder überzeugen werden, ist unmöglich vorherzusagen – dies sind schliesslich nur ein paar Inseln im offenen Meer und kein Zoo.

Khao Lak Guide: Was würdest Du Leuten, die planen nächste Saison zum Tauchen zu kommen, am dringendsten raten?

Ric Parker: Am wichtigsten ist es viele Fragen zu stellen, bevor man sich für einen Anbieter entscheidet. Sie sollten sicherstellen, dass die Tauchplätze Ihrem Erfahrungslevel entsprechen. Geben Sie sich nicht mit den Informationen zufrieden die Sie als erste Antwort erhalten – fragen Sie nach, validieren Sie was Ihnen geantwortet wurde auf aktuellen Webseiten und evtl. einem zweiten Anbieter – sind die Informationen auf Stand oder sendet der Anbieter eine Standardantwort aus dem Jahre 2008? Fragen sie Ihre Kontaktperson, wann sie persönlich das letzte Mal dort tauchen war. Tauchen kostet viel Geld, vor allem bei einer Tauchsafaribuchung können Sie ruhig drei, viermal nachfragen bevor sie sich entscheiden.

Khao Lak Guide: Wielange bevor man nach Khao Lak kommt sollte man denn den Tauchtrip dann letztendlich buchen?

Ric Parker: Generell würde ich nicht zu früh buchen. Die Tauch- und Wetterbedingungen ändern sich relativ rasch hier – also eine Information über die Tauchbedingungen von Dezember ist im März bereits nicht mehr gültig. Ich und viele meiner Kollegen posten aktuelle Fotos und Trip blogs auf unseren Web- und Facebookseiten, da kann man oft einen guten Eindruck der aktuellen Situation gewinnen.

Dennoch sind die Similan Inseln, und vor allem die Tauchsafaris welche die besseren Tauchplätze im Norden beinhalten, eine beliebte Tauchdestination deren Attraktivität nun sicherlich wieder etwas steigt, daher würde ich ein Buchungsvorlauf von minimum drei Wochen empfehlen. Als Ausnahme gilt die Zeit um Weihnachten und Neujahr, die sogenannte Peak Season von ca. 15. Dezember bis 5. Januar – wer um diese Zeit tauchen gehen möchte sollte bereits Ende August gebucht haben, da die Weihnachtszeit im Laufe des Septembers oft bereits ausgebucht ist.

Khao Lak Guide: Ric, wir danken für das Gespräch und wünschen Dir und allen Tauchern eine wunderbare Saison 2014/2015!



Alle Fotos in diesem Artikel von Ric Parker & Clive White © Thailand Dive & Sail

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